Paritätischer: Fordert Gesamtplan bis 2040 für die Pflege
28.10.2026 - DER PARITÄTISCHE Gesamtverband hat vor kurzem seine Positionen für eine solidarische, präventive, bedarfsgerechte und zukunftsfeste pflegerische Versorgung beschlossen. Wichtig sind ihm u.a. ein langfristiger politischer Kompass bis zum Jahr 2040 sowie ein Systemwechsel in der Finanzierung der Pflege.
Das Positionspapier enthält insgesamt acht wesentliche Forderungen:
1. Pflege ist konsequent am Menschen auszurichten. Leistungen müssen flexibel, bedarfsgerecht und sektorenübergreifend ausgestaltet sein. Budgets dürfen nicht der Ausgabenbegrenzung dienen, sondern müssen vereinfachen, den Handlungsspielraum pflegebedürftiger Menschen erweitern und pflegende Angehörige entlasten.
2. Pflege ist solidarisch zu finanzieren. Der Unterfinanzierung in der ambulanten Pflege sowie der Eigenanteilsproblematik in der
stationären Pflege muss mit der Übernahme aller pflegebedingten Kosten durch die Pflegeversicherung begegnet werden. Dafür ist ein Systemwechsel erforderlich.
3. Häusliche Pflege ist zu stärken. Durch frühzeitig qualitativ gesicherte fachliche Beratung, verlässliche Unterstützung, eine flexible
Inanspruchnahme von Leistungen und wohnortnahe Angebote wie niedrigschwellige Betreuung, ambulante Pflegedienste sowie Kurzzeit- und Tagespflege. Eine entsprechende Infrastruktur insbesondere im ländlichen Raum ist daher auszubauen und sicherzustellen.
4. Prävention muss verbindlicher Bestandteil der Pflege werden für mehr gesunde Lebensjahre. Sie ist bereits deutlich vor dem Auftreten pflegerischer Bedarfe fest zu verankern, um gesundheitliche Risiken und Anzeichen von Unterstützungsbedarf frühzeitig zu erkennen. Das umfasst ausdrücklich auch Maßnahmen, die sozialer Isolation und Einsamkeit entgegenwirken.
5. Pflegende An- und Zugehörige sind wirksam zu entlasten und abzusichern. Hier fordert der Paritätische fordert eine Pflegezeit mit einem steuerfinanzierten Familienpflegegeld sowie dauerhaft gesicherte Rentenansprüche pflegender Angehöriger und das jeweils auch für Selbständige. Und zusätzlich einen besseren Zugang zu Vorsorge und Rehabilitation für die Pflegenden selbst.
6. Pflegearmut muss verhindert werden. Der flächendeckende Zugang zur Hilfe zur Pflege ist zu überprüfen, und das unabhängig vom Wohnort. Die Verfahren selbst zur Hilfe zur Pflege müssen schneller und unbürokratischer ablaufen. Ehe- und Lebenspartner*innen von Pflegeheimbewohnenden sollen besonderen Schutz beim Sozialhilferegress erhalten. Und nicht zuletzt bedarf es einer besseren, regionalisierten und vereinheitlichten Datenlage, um die kommunale Pflegestrukturplanung vor Ort tragfähig aufzustellen.
7. Gute Arbeitsbedingungen für gute Pflege müssen ermöglicht werden. Etwa durch die verlässliche und vollständige Refinanzierung guter Arbeitsbedingungen mit einer bedarfsgerechten Personalausstattung sowie die Etablierung einer von Vertrauen geprägten Ermöglichungskultur. Hinzu kommt: keine von Kostenträgern zu verantwortenden Fristverschleppungen in Verhandlungen sowie
eine verlässliche und vollständige Refinanzierung guter Arbeitsbedingungen und guter, attraktiver Vergütungen.
8. Ein politischer Kompass für die Pflege ist als langfristige Strategie, die Finanzierung, Prävention, Versorgung, Fachkräftesicherung und kommunale Verantwortung zusammenführt, unerlässlich. Sie muss einen
Gesamtplan für eine demografiefeste Versorgung bis zum Jahr 2040 verbindlich machen.
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