Altenpflege: Lernen aus bisherigen Pandemie-Erfahrungen


05.01.2022 - Das Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft an der Berliner Charité hat in der Pandemie das Projekt "Covid-Heim" aufgelegt. Es geht um "Lehren aus der Corona-Pandemie für die Strukturentwicklungen im Versorgungssetting Pflegeheim". Die bisherigen Erkenntnisse sind auch in der vierten und für die anstehende fünfte Infektionswelle von Bedeutung.

Das Institut: "Ziel der Studie ist es, durch die Analyse und den Zugriff auf unterschiedliche Datengrundlagen ein möglichst umfängliches Bild aus der Krisensituation der hochbetagten Klientel in deutschen Pflegeheimen zu erhalten, die getroffenen Entscheidungen der Heime mit Blick auf ihre Wirkungen zu analysieren und hieraus Schlussfolgerungen für notwendige Maßnahmen im Kontext des Infektionsschutzes in Pflegeheimen abzuleiten und diese Veränderungen in den Prozess der Gesetzgebung einzuspeisen. Zudem sollen die persönliche Bedeutung, der Einfluss auf soziale Teilhabe und die individuelle Verarbeitung des Pandemiegeschehens erfasst werden."

Bisher liegen fünf Ergebnisreports vor. Im Hinblick auf das derzeitig rasant zunehmende Infektionsgeschehen erscheint der dritte Report "Isolation und Einsamkeit: Zur Umsetzung von Schutzmaßnahmen und Folgen für Heimbewohner*innen" von besonderer Bedeutung. Nicht zuletzt die neue Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) hat gerade erst davor gewarnt, Seniorenheime in der nächsten Corona-Welle, in der die Omikron-Variante allgegenwärtig sein wird, für Besucher*innen zu schließen.

Dazu stellt der dritte Ergebnisreport der Charité auf Grundlage der Befragung von Heimleitungen im Zeitraum November 2020 bis Ende Februar 2021 fest:

▶︎ Besuchsverbote und -einschränkungen für An- und Zugehörige wurden in den Pflegeheimen als häufigste Schutzmaßnahme umgesetzt – und zwar in 98 Prozent der Einrichtungen. Knapp 80 Prozent haben ihren Bewohner*innen Ausgangsbeschränkungen auferlegt. In fast 60 Prozent der Einrichtungen ist der Körperkontakt zwischen dem Pflegepersonal und den Bewohner*innen reduziert worden.

▶︎ Auch die sozialen Begegnungsmöglichkeiten zwischen den Bewohner*innen wurden stark eingeschränkt. Über die Hälfte der Heime schloss ihre Kantine oder Cafeteria, ein Drittel der Einrichtungen schränkte den Zutritt dorthin ein. Gut 86 Prozent der Heime machte ihre Sport- und Gymastikräumen dicht oder begrenzte die Nutzung massiv. Zwei von drei Heimen schlossen ihre Aufenthaltsräume (z.B. Bibliotheken) oder Speisesäle.

▶︎ Stark heruntergefahren oder ganz gestrichen wurden ebenso Angebote in Heimen. Beispielsweise entfielen in fast 95 Prozent der Einrichtungen Ausflüge, in gut 83 Prozent die Gottesdienste und in fast 80 Prozent sonstige Angebote wie Singen, Tanzen, Lesen, Spielabende.

"Einsamkeit ist die gravierendste Folge der Schutzmaßnahmen für Bewohner*innen", stellt der dritte Ergebnisreport anschließend fest. Insgesamt haben demnach 91,3 Prozent des Pflegepersonals Folgewirkungen der Schutzmaßnahmen für die Bewohner*innen bestätigt. Als häufigste Folge der Maßnahmen wurde Einsamkeit bei den Bewohner*innen beobachtet (82,3%). Mehr als ein Drittel der Pflegekräfte berichteten auch, dass Bewohner*innen ihre eigenen Angehörigen nicht mehr erkannten (37,6%). Zudem sprachen die Pflegekräfte im Hinblick auf die Bewohnerschaft von starker Trauer, Depression und teilweise von Versterben durch Einsamkeit.

Nahezu alle in der Pflegebranche sind sich darüber einig, dass sich diese Erfahrungen nicht wiederholen dürfen. Insofern gilt es, den Untertitel der Studie "Covid-Heim" zu beachten: "Lehren aus der Corona-Pandemie für die Strukturentwicklungen im Versorgungssetting Pflegeheim".

Enorm wichtig ist es daher, dass nicht nur die Heimbewohner*innen durchs Impfen und Boostern kontinuierlich geschützt werden, sondern sich auch alle, die sich in Altenpflege-Einrichtungen und -Diensten in welcher Funktion oder Absicht auch immer bewegen, impfen und boostern lassen!

Die einrichtungsbezogene Impfpflicht kommt zum 15. März 2022. Sie gilt für alle Beschäftigte im Gesundheitswesen. Lesen Sie hierzu auch die ausführlichen Informationen des DVLAB!

Hier mehr Informationen zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht

Hier die fünf Ergebnisreports zur Studie

zurück

DVLAB e.V.
Bahnhofsallee 16 | D-31134 Hildesheim
Telefon: 05121-2892872 | Telefax: 05121-2892879
E-Mail: info@dvlab.de
Impressum | Datenschutz
Admin
- 1298840 -