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Bündnis für Altenpflege > Gründungsveranstaltung


Das Ende der Altenpflege? Nicht mit uns!
Auftaktveranstaltung in Kassel / Bündnis für Altenpflege in Aktion

Es ist vollbracht: Die Altenpflege stellt sich geschlossen gegen den Plan des Gesetzgebers, eine generalistische Pflegeausbildung einzuführen, und hat sich dafür am 20. März zum breiten "Bündnis für Altenpflege" zusammengeschlossen.


Volles Haus. Mehr als 500 Teilnehmer
reisten nach Kassel!

Der Gründung in Kassel war eine große Fachveranstaltung vorausgegangen, auf der über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Schulterschluss der Altenpflege live miterleben konnten.

Der Fachtag "Das Ende der Altenpflege" dokumentierte mit Vorträgen namhafter Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis eindrucksvoll, warum die Altenpflege von einer generalistischen Pflegeausbildung bedroht wäre. Denn sie würde den spezialisierten Beruf abschaffen, aber weder den Pflegeberuf attraktiver machen noch den schon jetzt vorherrschenden Fachkräftemangel beseitigen - geschweige denn den Einsatz von Fachkräfte flexibilisieren.

 

 

 

Hier einige Schlaglichter auf die Veranstaltung und Vorträge:

Bündnissprecher Peter Dürrmann (DVLAB) begrüßte das Publikum mit den Worten: "Ihre Anwesenheit zeigt, dass die Altenpflege selbstbewusst für sich eintreten und mit eigener Stimme sprechen kann." Das sei auch allerhöchste Eisenbahn - aber noch nicht zu spät, um das vom Gesetzgeber eilig angestrebte neue Pflegeberufegesetz auszubremsen. "Derzeit wird ein Gutachten zur Finanzierung einer generalistischen Pflegeausbildung erstellt, ohne dass irgend jemand heute überhaupt weiß, welche Inhalte unterrichtet werden sollen", kritisierte Dürrmann. Solche Schritte seien unverantwortlich. "Hat der Gesetzgeber nichts aus der übereilten Pflegetransparenzvereinbarung gelernt, vor deren Problemfeldern wir heute stehen?"

Dürrmann appellierte an alle anwesenden Leitungskräfte, Fachkräfte, Ärzte und Psychiater, Lehrkräfte und Auszubildende der Altenpflege, sich ab sofort als Multiplikatoren gegen die Generalistik zu betätigen. "Denn sie führt nur zu Kompetenzverlust. Außerdem würde mit dem Verlust der Altenpflegeausbildung alles verloren gehen, was die Altenpflege bisher erreicht hat." Für ihn ist die ganze Diskussion um die Generalistik ohnehin eine Scheindebatte: "Nicht die Ausbildung ist das Problem, sondern die Rahmenbedingungen der Altenpflege!" Diese stehe angesichts des demografischen Wandels vor neuen Herausforderungen: "Zukünftig wird es um Begleitung gehen - also weg vom stationären Setting, hin zum Quartiersbezug; weg von Behandlung, hin zur Verhandlung; weg von der Altenpflege, hin zur Altenhilfe. Es geht um Assistenz im Alltag."

 

Dr. Thomas Kunczik (DBVA) dankte Peter Dürrmann zunächst für das große Engagement. "Ohne den Impuls des DVLAB säßen wir heute alle nicht hier", sagte er. Anschließend fiel ihm die aus seiner Sicht "undankbare Aufgabe" zu, das Eckpunktepapier der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Vorbereitung eines neuen Pflegeberufegesetzes "möglichst neutral" vorzustellen. Er führte aus, dass die derzeit drei Ausbildungsgänge in der Altenpflege, der Kranken- und der Kinderkrankenpflege zu einem generalistischen mit dann nur noch einem Abschluss zusammengeführt werden sollen - bei gleich bleibend dreijähriger Ausbildungszeit. Auf diese Weise wolle man auch dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen. "Aber demenziell veränderte alte Menschen sind etwas anderes als Enkel", wich er von der sich selbst auferlegten Neutralität ab und fragte dann die anwesenden Altenpflegeschüler im Saal: "Wird der Beruf für Euch durch die Generalistik attraktiver?" Von den oberen Rängen schallte ein lautes NEIN herunter.

Kunczik ging auch auf die Hoffnung der Bundesregierung ein, die Pflegeausbildung in Deutschland durch die Generalistik mit Europa kompatibel zu machen. "Aber unsere Altenpflege ist in Europa einmalig und richtungsweisend! Und das soll aufgegeben werden?" Als problematisch würde sich bei der Generalistik auch die praktische Ausbildung erweisen. "Die 2.500 vorgesehenen Stunden Praxis klingen erstmal gut - aber für die Altenhilfe bleibt unterm Strich im Vergleich zu heute tatsächlich nur noch die Hälfte übrig." Entsprechend unvorbereitet seien die Fachkräfte dann auf die rasant zunehmende Anzahl pflegebedürftiger Menschen. "Bis zum Jahr 2050 wird sich ihre Zahl verdoppelt haben - da wäre die Abschaffung der Altenpflege doch verrückt!"

 

Prof. Dr. Martina Hasseler, Pflegewissenschaftlerin aus Oldenburg, hatte für das Bundesgesundheitsministerium seinerzeit bereits die Transparenzvereinbarung kritisch überprüft. Jetzt hinterfragte sie das "Patentrezept Generalistik" sowohl wissenschaftlich als auch in bester praktischer Kenntnis der Kranken- und Altenpflege. Am Rande bemerkte sie dabei, ein hochrangiger Ministeriumsvertreter habe ihr gegenüber bereits zugegeben, dass die Generalistik nach der Ausbildung "natürlich" zu Kompetenzverlusten führen würde, aber "das sei dann eben so".

Hasseler belegte auf der Grundlage nationaler und internationaler Studien folgende Tatsachen:

  • Der Fachkräftemangel ist international ein Problem, die Generalistik mache das Berufsfeld Altenpflege nicht attraktiver.
  • Erfahrungen der integrierten Ausbildung zeigen, dass sich die Teilnehmer nach ihrer Ausbildung mehrheitlich für die Krankenpflege entscheiden.
  • Die Hoffnung auf eine allzeit und überall einsetzbare, weil generalistisch ausgebildete Fachkraft ist Spekulation. Für die Altenpflege werden die Fachkräfte aber in jedem Fall verloren gehen.
  • Die Altenpflege benötigt unbedingtes differenziertes Fachwissen.

Ihr Fazit zum Vorhaben der generalistischen Pflegeausbildung: "Anders bedeutet nicht automatisch besser." Hasseler forderte entsprechend, die Vor- und Nachteile beider Ausbildungsmodelle vor einer Entscheidung viel intensiver zu erörtern, aussagekräftige neue Studien aufzulegen - und nicht jene Fehler zu machen, die international bereits begangen wurden. Auf die Zwischenfrage aus dem Publikum, ob eine generalistische Ausbildung in Deutschland nicht auf vier Jahre ausgeweitet werden könne, antwortete sie klar und unmissverständlich: "Das ist politisch nicht gewollt."

Episode am Rande: Während die Fachveranstaltung "Das Ende der Altenpflege?" am 20. März in Kassel ihren Verlauf nahm, lief parallel eine aktuelle Pressemeldung über den Nachrichtenticker. Der Deutsche Pflegerat, ein glühender Verehrer der Generalistik, forderte darin provokant: "Rettet die Altenpflege vor ihren ´Rettern`!" Am gleichen Tag sprachen sich auch die Diakonie und die Caritas deutlich für die Einführung der Generalistik aus.
Peter Dürrmann konnte in Kassel seinen Eindruck nicht verhehlen, dass die Zeitgleichheit der Presseerklärungen zur Gründungsveranstaltung des "Bündnis für Altenpflege" kein Zufall ist. "Vielleicht macht es den Befürwortern der Generalistik - also den von der Krankenpflege dominierten Organisationen - Angst, dass die Altenpflege endlich für sich selbst spricht. Vorher wurde ja so getan, als würden die Bedarfe und Interessen der Altenpflege mit vertreten werden. Aber das war keineswegs der Fall. Zum Glück ist die Altenpflege jetzt hellwach und hat sich im wahrsten Sinne des Wortes mobilisiert!"

Zu den Positionen von Diakonie und Caritas merkte er an: "Beide Verbände suggerieren öffentlich eine jeweils mehrheitlich eindeutige Position für die Generalistik. Tatsächlich ist das aber nur innerhalb ihrer Schwesternschaften festzustellen. Für ihre Akteure in den Pflegediensten, Einrichtung, und Ausbildungsstätten gilt das nicht."

 

Dr. Birgit Hoppe (AAA) kommentierte entsprechend, dass die aktuell sehr kämpferische Altenpflege für "rückwärtsgewandt" gehalten werde. "Die Geschichte der Altenpflege beweist aber das genaue Gegenteil. Denn wir alle sind Experten für Veränderung und kämpfen sozusagen ´chronisch konstruktiv`." Dem weiteren Vorwurf an die Adresse der Altenhilfe, hier wende sich lediglich eine Minderheit gegen die Generalistik, hielt sie entgegen: "Hier sitzt heute ein Kollege aus Berlin, der schon allein 400 Unterschriften für den Erhalt der Altenpflege mitgebracht hat. Und ein anderer 330. Hinter jedem Teilnehmer stehen hier 500 andere - das ist keine Minderheit!"

Später wird Bündnissprecher Peter Dürrmann feststellen, dass das Bündnis die deutliche Mehrheit der vollstationären und gut 50% der ambulanten Altenpflege repräsentiere. Darüber hinaus belegen dies Unterschriften für die Altenpflegeausbildung, die von Akteuren sowie auf der Homepage www.bündnis-für-altenpflege.de bereits gesammelt wurden.

Unabhängig davon pointierte Birgit Hoppe auf der Kasseler Veranstaltung das Ziel des ganzen Engagements: "Die Qualität der Pflege von alten Menschen muss so hoch wie möglich sein - und damit entsprechend auch die Qualität der spezifischen Ausbildung." Es ginge also nicht um Besitzstandsdenken der Altenpflege, sondern um Versorgungsqualität, auch in den Quartieren. "Aber einigen ist dieses sozialpolitische Anliegen nicht so wichtig wie die Idee der Akademisierung, die hinter der ganzen Generalistik steckt. Hier möchte die Krankenpflege lieber auf Augenhöhe mit den Ärzten kommen."

Hoppe wurde auch zu anderen "Begleiterscheinungen" im Umfeld der geplanten Generalistik deutlich: Die derzeitige Finanzierung der Krankenpflege aus Krankenkassenbeiträgen nannte sie "einen Sündenfall"; das Verhalten der Krankenpflege ein Anstacheln der Konkurrenz nach dem Motto "Jeder gegen jeden und für sich allein"; den Plan, eine generalistische Pflegeausbildung mit Inhalten aus allen drei derzeitigen Berufen zu bestücken, es aber bei drei Ausbildungsjahren zu belassen, ein "Bildungsverständnis wie beim Nürnberger Trichter".

Der geplanten Generalistik prophezeite sie u. a.: Sie wird weniger Können und Wissen erzeugen, Ausbildungsplätze in der Altenpflege minimieren und Krankenhäuser in Not bringen, heutige Wege in die Ausbildung versperren und Gestaltungspotenzial im demografischen Wandel verhindern. Fazit: "Das sieht nicht gut aus. Und wem nützt das Ganze?" Hoppe plädierte vielmehr für den Erhalt der starken Kooperationsnetze zwischen Betrieben und Ausbildungsstätten, die Weiterentwicklung der vorhandenen Ausbildungsstrukturen und einen sinnvollen Fachkräftemix in multidisziplinären Teams.

Frauke Leupold vom Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland erwies sich im Reigen der Vortragenden mit Verweis auf die Mitgliedschaft ihres Verbandes im Deutschen Pflegerat als einzige Fürsprecherin einer generalistischen Pflegeausbildung. Leupold legte dar, dass aus ihrer Sicht das in Diskussion stehende Eckpunktepapier inhaltliche Vertiefungen zulasse. "Wir wollen die Pflegequalität in allen Bereichen durch eine Schwerpunktsetzung gesichert wissen", sagte sie und berichtete, dass ihr Verband dazu für die Kinderkrankenpflege derzeit curriculare Vorschläge erarbeite.

Im weiteren Vortrag erläuterte Frauke Leupold dann sehr detailliert und gut nachvollziehbar, welche Inhalte ihr aus der Kinderkrankenpflege relevant erscheinen und in einem entsprechenden Schwerpunkt einer generalistischen Ausbildung berücksichtigt werden müssten. Diese reichen über den heutigen Stand der derzeit spezialisierten Ausbildung noch hinaus, sollen nach Leupold zukünftig in Prävention und Intervention auch umfassende Aspekte des Kinderschutzes enthalten, "eben alles, was Kinder, Eltern und Familien stärkt und fördert - inklusive der Früherkennung von Risikofaktoren." Schließlich ginge es um die vier Säulen Gesundheitsförderung/Prävention, Kuration, Rehabilitation und Palliativpflege.

Anschließend wurde Frauke Leupold von Peter Dürrmann gefragt: "Glauben Sie wirklich, dass das alles in drei Jahren Generalistik zu verwirklichen ist?" Die Vorsitzende des BeKd antwortet zuversichtlich: "Wir bemühen uns." Einig war sie sich indes mit dem Bündnissprecher darin, dass inhaltlich noch erheblicher diskutiert werden müsse und ein "Schnellschuss Generalistik" nicht zielführend sei.

Podiumsgespräch: "Das Thema Altenpflege betrifft die gesamte Gesellschaft in Deutschland", leitete Bündnissprecher Peter Dürrmann die folgende Diskussion ein mit Dr. Birgit Hoppe vom AAA, Thomas Knieling vom VDAB, Bernd Tews vom bpa sowie Dr. Anja Ludwig von der AWO.
Die Kernaussagen im einzelnen:

  • Die AWO hat sich nach langer Auseinandersetzung in verschiedenen Arbeitskreisen auf der Grundlage einer basisdemokratischen Entscheidung gegen die Generalistik positioniert. Tenor des entsprechenden Papiers: Die Altenpflege und ihre spezifische Qualität müssen erhalten bleiben. "Die Caritas und die Diakonie werden in dieser Frage leider von ihren Schwesternschaften gehemmt", bedauerte Dr. Anja Ludwig. Sie regte aber an, sich auch mit der Weiterentwicklung der Altenpflegeausbildung zu befassen.
  • Der bpa positionierte sich ebenfalls eindeutig: "Der wichtige und sinnvolle Beruf Altenpfleger/in darf nicht abgeschafft werden." Vielmehr sei er weiterzuentwickeln, "und zwar ohne sich von der Krankenpflege abgrenzen zu müssen", so Bernd Tews. Ziel müsse es sein, spezifisches Wissen und mehr Fachkräfte in der Altenpflege hervorzubringen. "Absurd" empfand er im Übrigen folgende Entwicklung: "Einige Krankenhäuser stellen sich bereits dem demografischen Wandel und bauen bei sich Geriatrien auf. Die Medizin spezialisiert sich also, während die Altenpflege der Generalistik weichen soll." Das Vorhaben der generalistischen Pflegeausbildung sieht der bpa als "verfehlt, daneben und unzweckmäßig" an.
  • Der VDAB forderte ebenfalls unmissverständlich: Die Rahmenbedingungen der Altenpflege müssen sich ändern, der spezialisierte Beruf muss bleiben. Thomas Knieling: "Die wichtigsten Fragen sind doch: Wie können wir mehr Interessenten für den Pflegeberuf gewinnen und wie können wir eine gute und noch bessere Versorgung der alten Menschen gewährleisten?" Für gänzlich unwichtig hielt Thomas Knieling hingegen die Frage, wo Deutschland im internationalen Vergleich stehe. "Im Übrigen hat die Generalistik international kein einziges Problem gelöst." Er hielt mit Peter Dürrmann die ganze Generalistik-Diskussion für eine Scheindebatte und zeigte sich völlig unbeirrt: "Die Antwort auf die Herausforderung des demografischen Wandels ist die spezialisierte Altenpflege!"
  • Der AAA wies durch Dr. Birgit Hoppe nochmals daraufhin, dass sich in Brüssel ein Kompromiss zur Berufsanerkennungsrichtlinie der EU abzeichnet. Danach darf es in Deutschland bei 10 Schuljahren als Zugangsvoraussetzung für die Krankenpflegeausbildung bleiben. "Allerdings will Brüssel auch die inhaltliche Vergleichbarkeit der Ausbildungen - und deshalb die zu erwerbenden Kernkompetenzen selbst definieren", so Hoppe. Dabei setze die EU auf eine medizin-orientierte Pflege. "Mit einer generalistischen Ausbildung würde vom Profil der heutigen Altenpflegeausbildung dann wohl gar nichts mehr übrig bleiben." Schon deshalb sowie aus den von ihr bereits genannten Gründen sei sie froh, dass sich die Altenpflege nun vernehmlich zu Wort melde.

Diese Statements vom Podium läuteten den Nachmittag der Veranstaltung ein, der eindrücklich die Notwendigkeit und Qualität der derzeitigen Altenpflege bewies.

 

Ulrich Hähner, Diplompsychologe, ist seit langem in der Behindertenhilfe engagiert. Er beschrieb, wie sie in einem langjährigen Prozess vom defizitären Blick auf den Menschen mit Behinderung zum dialogischen Begleiter wurde, der den körperlich und/oder geistig Behinderten als Experten seiner selbst begreift. "Heute handeln wir nach dem Leitsatz: Ich helfe dir, das zu erreichen, was du dir wünscht", pointierte Hähner den aktuellen Leitsatz. Doch bis dahin sei es ein langer Weg gewesen. Er hatte in den 1960er Jahren mit der von der Medizin dominierten Überzeugung "Ich weiß, was für dich gut ist" begonnen und wurde in den 1970ern mit dem pädagogischen Leitmotiv "Ich helfe dir, ein wenig so zu werden, wie ich bin" fortgesetzt. Erst nach 1994 trat ein Bewusstsein für z.B. Selbstbestimmung hinzu ("Jeder weiß selbst, was ihm gut tut"), das schließlich zu einem neuen Menschenbild und Handeln in der Behindertenhilfe führte. Hier stellte Hähner zwischen der Begleitung von Menschen in der Behinderten- und der Altenhilfe mögliche Parallelen her.

 

Dr. Ansgar Herkenrath, Diplom-Musiktherapeut, arbeitet mit Wachkoma-Patienten in einer Einrichtung in Unna. "Kaum jemand würde Wachkoma als Lebensart sehen, denn wir haben keinen Einblick in diese Lebensart. Aber wir können auch in ihr Selbstbestimmung entdecken, wenn wir in der Lage sind, den Körper zu lesen. Und wenn wir uns voraussetzungslos auf den anderen einlassen", sagte er. Wie das konkret aussehen kann, dokumentierte Herkenrath filmisch in beeindruckender Weise. Er zeigte z.B. einen Wachkoma-Patienten, der 2010 zunächst vermeintlich völlig regungs- und reaktionslos im Bett lag, 2011 Schlagzeug spielend im Rollstuhl saß und 2013 munter von sich und seinen Zukunftswünschen erzählt. Herkenrath eindringlich: "Auch schwerst Betroffene sind lebende Menschen, zu denen wir einen Zugang finden müssen." Ihm wie den Akteuren der Altenhilfe gehe es im Kern stets um eine angemessene Begleitung.

 

 

Prof. Dr. Reimer Gronemeyer, Soziologe an der Universität Gießen und Vorsitzender der Aktion Demenz, beschloss die Vortragsreihe in Kassel mit seinem Statement: "Eigentlich bin ich gegen zu viel Professionalisierung - aber ich stimme Ihrem Anliegen unbedingt zu!" Für ihn habe der Tag gezeigt, warum die Altenpflege ihre Stimme erhebe - gerade im Hinblick auf die Begleitung von Menschen mit Demenz. Für das Vorhaben der generalistischen Pflegeausbildung hatte Gronemeyer nichts übrig, er bezeichnete die Generalistik samt der mit ihr einher gehenden Funktionalität als "puren Schwachsinn". Und weiter: "Damit soll nur etwas hergestellt werden, das im Ergebnis beide Seiten gesichtslos macht. Diese so industrialisierte Altenpflege wäre dann ein Produkt, sie wäre standardisiert und generalisiert wie die Inspektion in einer Autowerkstatt." So werde ein Gesicht zum Fall und der Gleichschaltung Tür und Tor geöffnet. Dabei müsse es doch in Wirklichkeit stets um das Ziel gehen, dass der einzelne Mensch im Vordergrund bleibe, gerade in der Altenpflege. "Was ist am wichtigsten am Lebensende eines Menschen? Für ihn da sein und Zeit haben. Fachkräfte der Altenpflege haben schon jetzt wenig davon. Deshalb muss auch alle Bürokratie geprüft werden, ob sie der Fürsorge dient", forderte Gronemeyer. Und war überzeugt: Die Generalistik diene der Fürsorge ganz sicher nicht. Denn: "Menschen mit Demenz sind radikalisierte Einzelwesen. Die Generalistik wird das noch verstärken. Sie verpflichtet alle - Betroffene wie Experten - auf absolute Gesichtslosigkeit. Und wenn die erstmal eingetreten ist, dann ist die Generalistik auch die richtige Antwort...."

 

Das Schlusswort gehörte noch einmal Bündnissprecher Peter Dürrmann, der den Tag mit folgenden Worten zusammenfasste: "Die Altenpflege hat viel zu verlieren, aber wenn die Generalistik kommt, nichts zu gewinnen. Kämpfen Sie deshalb mit uns für den Erhalt der Altenpflege, sehen Sie sich für dieses Anliegen als Multiplikatoren und geben sie der Altenhilfe auf der Homepage www.bündnis-für-altenpflege.de Ihr Votum!"

Die Partner im "Bündnis für Altenpflege" sind derzeit: der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (www.bpa.de), die Arbeiterwohlfahrt (www.awo.org), der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V. (www.vdab.de), der Arbeitskreis Ausbildungsstätten Altenpflege (www.aaa-deutschland.de), der Deutsche Berufsverband Altenpflege (www.dbva.de), die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e.V. (www.dggpp.de), die Deutsche Expertengruppe Demenz (www.demenz-ded.de), die Deutsche Akademie für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (www.dagpp.de) sowie der Deutsche Verband der Leitungskräfte von Alten- und Behinderteneinrichtungen (www.dvlab.de).
Unterstützt wird die Zielsetzung des Bündnisses zudem vom Bundesverband kommunale Senioren- und Behinderteneinrichtungen (www.die-kommunalen.de).

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